Nicht jede Kreditkarte gewährt auch wirklich Kredit

Manche Kreditkarten verdienen diesen Namen nicht. Obwohl bekannte Marken wie Visa oder Mastercard draufstehen, ist mit einer solchen Karte kein Kredit verbunden. Das muss kein Nachteil sein – viele Kunden bevorzugen sogar die Zahlung aus vorhandenem Guthaben. Interessenten, die einen Kreditkartenvertrag abschließen wollen, sollten sich aber vorher über die unterschiedlichen Modelle der Kreditkartenabrechnung klar sein und dann aktiv entscheiden, was für sie die beste Option ist.

Diese Abrechnungsvarianten gibt es

Im von US-Unternehmen geprägten Markt der Kreditkarten sind englischsprachige Fachbegriffe für die verschiedenen Kartenarten üblich. Die Einteilung nach

  • Prepaid Card
  • Charge Card
  • Debit Card
  • Revolving Car

folgt den verwendeten Abrechnungsverfahren.

Prepaid Card

Diese Guthabenkarten müssen mit Geld aufgeladen werden, bevor sie eine Zahlungsfunktion haben. Das geschieht zum Beispiel durch Überweisung vom Girokonto. Direktbanken geben gern Prepaid Karten aus. Sie sparen sich die Bonitätsprüfung, die bei einem wirklichen Kredit nötig wäre, ermöglichen Ihren Kunden aber trotzdem alle Vorteile einer Kreditkartenzahlung. Gleichzeitig wird die Bargeldversorgung an fremden Geldautomaten per Kreditkarte sichergestellt. Ob dafür Gebühren fällig werden, hängt von der Vertragsgestaltung ab. Manche Karten sind nur im Ausland gebührenfrei, bei anderen ist die Zahl der monatlichen Bargeldverfügungen begrenzt.

Prepaid-Karten dürfen bis 100 Euro Guthaben anonym verkauft werden. Solche Karten gibt es zum Beispiel an Tankstellen. Allerdings sind die Gebühren angesichts der geringen Beträge unverhältnismäßig hoch, außerdem kann Restguthaben verfallen.

Vorsicht ist geboten bei Kreditangeboten trotz schlechter Schufa-Historie in Zusammenhang mit einer Kreditkarte. Bei unseriösen Anbietern erhält man für einen überteuerten Betrag, der zudem per Nachnahme zu entrichten ist, eine wertlose Prepaid-Karte ohne Guthaben. Ein Kreditvertrag kommt nicht zustande.

Charge Card

Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich die klassische Kreditkarte. Mit ihr wird ein (bis auf eventuelle Grundgebühren) kostenloser Kredit bis zum nächsten Abrechnungsstichtag eingeräumt. Bei einem Kartenlimit von ein bis zwei Netto-Monatsgehältern ist das eine gute eiserne Reserve, die die Inanspruchnahme des Dispokredits auf dem Girokonto sparen kann. Der fällige Saldo wird üblicherweise zu einem bestimmten Stichtag von einem Girokonto abgebucht. Stellen Sie sicher, dass dort genügend Deckung vorhanden ist. Idealerweise liegt der Abbuchungstag später als die Gehaltszahlung durch Ihren Arbeitgeber. In seltenen Fällen muss der offene Saldo überwiesen werden.

Debit Card

Die in Deutschland wenig verbreitete Debit Card funktioniert wie eine normale Bankkarte und steht damit zwischen Prepaid und Charge Card. Sie muss zwar nicht mit Guthaben aufgeladen werden, räumt aber auch keinen Kreditrahmen ein. Die Buchung wird mit ein oder zwei Tagen Verzögerung auf das Girokonto durchgereicht. Man kann nur mehr ausgeben, als Deckung auf dem Konto vorhanden ist, wenn die Bank einen Dispokredit eingeräumt hat. Der kostet Zinsen, und noch teurer ist die (geduldete) Überziehung des Kontos über den Dispo-Rahmen hinaus. Eine Debit Card macht vor allem Sinn, wenn Sie sie wie eine Bankkarte nutzen, aber mit demselben Zahlungsmittel zum Beispiel auch online oder im Ausland einkaufen möchten, wo deutsche Bankkarten nur selten Akzeptanz finden.

Revolving Card

Hierbei handelt es sich um Charge Cards, bei denen zum Abrechnungsstichtag nur ein Teil des offenen Saldos bezahlt werden muss, zum Beispiel 10 %. Der verbleibende Betrag wird als Kredit eingeräumt, ist aber – anders als bei der Charge Card – nicht kostenlos. Die Zinsen sind ähnlich hoch wie beim Dispokredit. Wer nicht aufpasst und die Karte trotz bestehender Schulden weiter nutzt, verliert schnell die Kontrolle und zahlt hohe Zinsen.

So entscheiden Sie richtig

Möchten Sie Ihren finanziellen Spielraum durch eine Kreditkarte erhöhen und erfüllen Sie die Bonitätsanforderungen des Emittenten, entscheiden Sie sich für eine echte Kreditkarte (Charge Card). Zwei persönliche Voraussetzungen sollten dann aber gegeben sein. Erstens, Sie können mit Geld umgehen und haben die Disziplin, den Kreditrahmen nur insoweit auszuschöpfen, als Sie sich die Ausgaben auch leisten können. Zweitens, Sie sind in der Lage, den aufgelaufenen Saldo zum Abrechnungsstichtag in einer Summe zu begleichen. Wäre das nicht der Fall, wird aus dem kostenlosen Kartendarlehen ein sehr teurer Kredit. Entweder Sie haben durch die Abbuchung Schulden auf Ihrem Girokonto, für die Sie den Dispozins – im Durchschnitt trotz Niedrigzinsen knapp unter 10 % pro Jahr – zahlen. Oder sie nehmen die Teilzahlungsoption der Kreditkarte in Anspruch (Revolving Card), was aber in aller Regel nicht billiger sein wird.

Bekommen Sie aus Bonitätsgründen keine echte Kreditkarte oder trauen Sie sich den verantwortungsbewussten Umgang damit nicht zu, sind Sie mit einer Guthabenkarte (Prepaid Card) auf der sicheren Seite. Sie nutzen alle Vorteile dieser Zahlungsmethode, online und offline, im Inland wie im Ausland, können aber nicht mehr ausgeben als das zuvor geladene Guthaben. Sparen Sie beispielsweise auf dem Kartenkonto für Ihren Urlaub und zahlen dann Bahn, Flug, Hotel, Mietwagen usw. mit der Karte, haben Sie die Finanzen gut im Griff. Ein Wermutstropfen: Manchmal werden Beträge auf der Kreditkarte lediglich geblockt, aber nicht abgebucht. Das ist zum Beispiel bei einer Kaution für den Mietwagen oder für Nebenleistungen im Hotel der Fall. Solche Beträge können das Guthaben (zugleich Kartenlimit) sehr schnell ausschöpfen, sodass weitere Zahlungen nicht mehr möglich sind.

Berücksichtigen Sie bei der Wahl Ihrer Kreditkarte zudem die Gebührenstruktur, die zum Teil mit dem Abrechnungsverfahren in Verbindung steht. Schließlich möchten die Kartenemittenten auch etwas verdienen. So sind Karten mit besonders niedrigen Kosten im Ausland und an Geldautomaten oft standardmäßig als Revolving Cards konzipiert. Der Kartensaldo muss manuell überwiesen werden, ansonsten greift der vereinbarte hohe Zins.